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Feedback geben und annehmen: Warum es so oft schiefgeht

23. Juli
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 26. Juli

"Das war eigentlich nur konstruktiv gemeint" – ein Satz, der fast immer fällt, nachdem eine Rückmeldung schon längst falsch angekommen ist. Feedback ist eines der einfachsten Werkzeuge der Zusammenarbeit und gleichzeitig eines der am häufigsten misslingenden. Das gilt für einzelne Berufstätige genauso wie für ganze Unternehmen.


Eye-level view of a serene landscape with a calm lake and surrounding trees
Konstruktives Feedbackgespräch zwischen zwei Kolleginnen

Warum Feedback so oft misslingt

Die Absicht ist selten das Problem – der Zeitpunkt, der Rahmen und die Formulierung schon eher. Ein "Kurz zwischen Tür und Angel" nach einem hektischen Meeting wirkt anders, als es gemeint war. Eine Rückmeldung vor der ganzen Gruppe, statt unter vier Augen, wird schnell als Bloßstellung erlebt, selbst wenn Wohlwollen dahintersteckte.

Auf der anderen Seite reagieren viele Menschen auf Feedback zunächst mit Rechtfertigung oder innerem Rückzug – nicht, weil sie beratungsresistent wären, sondern weil Kritik erst einmal wie ein Angriff auf die eigene Kompetenz wirkt. Beide Seiten – die gebende und die empfangende – tragen also zum Gelingen oder Misslingen bei.


Für Einzelpersonen: Wie Feedback im Job weniger persönlich trifft

Wer Feedback im Job als grundsätzliche Bewertung der eigenen Person erlebt, gerät fast automatisch in Verteidigungshaltung. Hilfreicher ist eine bewusste Trennung: Eine Rückmeldung bezieht sich auf ein konkretes Verhalten in einer konkreten Situation – nicht auf den ganzen Menschen. Diese gedankliche Trennung lässt sich üben, etwa indem man sich nach jeder Rückmeldung fragt: "Welches konkrete Verhalten ist gemeint, nicht: Was sagt das über mich als Person aus?"

Genauso hilfreich: Rückfragen stellen, statt sofort zu reagieren. "Kannst du mir ein konkretes Beispiel nennen?" verschafft Zeit, senkt die emotionale Reaktion und macht das Feedback oft erst wirklich nutzbar.


Für Unternehmen: Wie eine Feedbackkultur wirklich trägt

Auf Unternehmensebene scheitert Feedback selten an gutem Willen, sondern an fehlender Struktur. Wird Feedback nur beim jährlichen Mitarbeitergespräch gegeben, ist es fast automatisch zu spät und zu allgemein, um noch konkret hilfreich zu sein. Regelmäßige, kurze Feedbackformate – etwa ein wöchentliches Fünf-Minuten-Gespräch im Team – wirken deutlich stärker als ein großes, seltenes Gespräch.

Ebenso entscheidend: Führungskräfte, die selbst sichtbar Feedback annehmen, statt es nur zu geben, schaffen erst die Grundlage dafür, dass auch Mitarbeitende offen bleiben. Eine Feedbackkultur, die nur in eine Richtung fließt, bleibt auf Dauer oberflächlich.


Eine Geschichte aus der Praxis: Zwei Perspektiven, ein Muster

Ein Abteilungsleiter eines Dienstleistungsunternehmens beklagte im Coaching, sein Team reagiere auf Feedback "immer gleich eingeschnappt". Gleichzeitig beschrieb eine seiner Mitarbeiterinnen in einem separaten Coaching, sie bekomme "nie eine konkrete Rückmeldung, nur pauschale Kritik am Ende des Monats." Beide beschrieben faktisch dasselbe Muster aus zwei Blickwinkeln.

Die Lösung lag nicht darin, eine Seite zu belehren, sondern beide Muster gleichzeitig zu verändern: Der Abteilungsleiter übte, Feedback zeitnah und an konkreten Beispielen festzumachen, statt gesammelt am Monatsende. Die Mitarbeiterin übte, bei unklarem Feedback aktiv nachzufragen, statt es unkommentiert stehen zu lassen. Nach wenigen Wochen berichteten beide unabhängig voneinander von deutlich entspannteren Gesprächen.


Checkliste: Feedback, das ankommt

  •  Zeitnah geben, statt es zu sammeln

  •  Unter vier Augen statt vor der Gruppe

  •  Auf konkretes Verhalten beziehen, nicht auf die Person

  •  Als Empfänger aktiv nachfragen, wenn etwas unklar bleibt

  •  Auch als Führungskraft sichtbar eigenes Feedback annehmen


Zusammenfassung

Ob im eigenen Berufsalltag oder im ganzen Unternehmen: Feedback gelingt selten durch gute Absicht allein, sondern durch Zeitpunkt, Konkretheit und die Bereitschaft, es in beide Richtungen fließen zu lassen. Wer diese Punkte beachtet, macht aus einem oft gefürchteten Gespräch ein echtes Werkzeug für Entwicklung.


Häufige Fragen (FAQ)

Warum fühlt sich Feedback oft wie Kritik an der eigenen Person an?

Weil viele Menschen Rückmeldungen unbewusst auf ihre gesamte Kompetenz beziehen, statt auf ein einzelnes, konkretes Verhalten – diese Trennung lässt sich gezielt üben.

Reicht ein jährliches Mitarbeitergespräch für gute Feedbackkultur?

Selten. Regelmäßige, kurze Feedbackformate wirken deutlich nachhaltiger als ein großes, seltenes Gespräch.

Müssen nur Führungskräfte lernen, besser Feedback zu geben?

Nein. Feedbackkultur funktioniert nur, wenn auch das Annehmen von Feedback – auf allen Ebenen – aktiv geübt wird.


Fazit

Ob Sie als Einzelperson lernen möchten, Feedback im Job gelassener anzunehmen, oder als Unternehmen eine tragfähige Feedbackkultur aufbauen wollen: Mit individuellem Coaching für Berufstätige und meinem Angebot "Stark als Team" für Unternehmen unterstütze ich Sie dabei, Feedback zu einem echten Entwicklungswerkzeug zu machen.

 
 
 

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